"Betrachte jede Krise als Chance zur Veränderung"

Anti-Aggressivitäts-Training ® (AAT)


Bundesverfassungsrichter Prof. Herbert Landau:
Ich halte das Anti-Aggressivitäts-Training für eine wichtige Maßnahme im Umgang mit Gewalttätern und habe mich immer dafür eingesetzt, dass es als Sanktion in der Rechtsprechung Berücksichtigung findet.“


Chefredakteur der ZEIT, Giovanni di Lorenzo:
Linke und Liberale müssen sich damit abfinden, dass es auch junge Täter gibt, die so gefährlich sind, das nur langes Wegsperren oder gar die Ausweisung zu vertreten sind. Hardliner dagegen, dass der Erziehungsgedanke bei Jugendlichen richtig ist und das gut geführte Heime und Anti-Aggressions-Trainings in der Regel mehr helfen als Jahre der Verrohung im Gefängnis.“

 


Was ist ein Anti-Aggressivitäts-Training® ? 

Beim AAT handelt es sich um eine delikt- und defizitspezifische Behandlungsmaßnahme für aggressive Intensivtäter. Das Anti-Aggressivitäts-Training®ist eine konfrontativ gestaltete Maßnahme auf der Basis der kognitiv-emotionalen Verhaltenstherapie, deren zentrales Handlungsprinzip die Sensibilisierung des Täters für die Opfer darstellt. Das AAT vermittelt als strukturierte soziale Trainingsmethodik den Teilnehmern handlungs- und erlebnisorientiert Erfahrungen und Einsichten, führt zu Verhaltensänderungen und eröffnet eine Chance zur Integration.

Das AAT besteht aus 4 verschiedenen Phasen:































Detaillierter Ablaufplan des AATs in der Beratungsstelle Zweite Chance:

Termin

Zielsetzung 

Methode

1. - 4. Sitzung

Integrationsphase/ Biografische Phase

Erläuterung der Inhalte, Ziele und Methoden. Förderung und Aufbau der Motivation

KFAF; STAXI-2; FPI-R

Biografie

Rosenzweig 

5. - 10. Sitzung 

Konfrontationsphase

Herstellung der Opferperspektive

Kritische Reflexion von Denk- und Handlungsmustern

Opferfilme 

Opferinterviews

Opferbrief - Tathergangsanalyse

Heiße Stühle

Selbstbild zwischen Ideal- und Realselbst

11.- 19. Sitzung

Konfrontation/ Gewaltverringerungs-phase

Provokationstest/ Körperthrill

Entwicklung von Schuldgefühlen/ Empathie

Statuswippe

ABC-Formel

Systemische Aufstellung

20. - 23. Sitzung 

Nachbetreuung/ Rückfallvermeidung 

Umsetzung alternativer Handlungsstrukturen 

Rollenspiel mit Videoreflexion

Rückfallvermeidungs- pläne

Gewaltdreieck

Rückfallspirale

24. Sitzung

Abschluss


Gruppengespräch

Posttesting bspw. Rosenzweig

Evaluation

 

Je nach Gruppenzusammensetzung finden folgende begleitende Themen und Aktivitäten statt:
 
  • Mixed Martial Art zum Kennenlernen eigener körperlichen Grenzen, Einführung in sinnvoller Freizeitgestaltung und Zielgerichtetes Ausleben angestaunter Aggression ohne Fremdschädigung 
  • Übungen zur Vertrauensstärkung 
  • Progressive Muskelentspannung nach Jacobson
  • Gemeinsames Essen zur Stärkung der Gruppenzugehörigkeit 
  • Drogenabusus 
  • Ehre 
  • Fanspezifische Gewalt
  • Rechtsextremismus/ Linksextremismus 

Curriculum des Anti-Aggressivitäts-Trainings®

Zugrunde liegender Ansatz

Lerninhalte

Lernziele

Aggressivitätsauslöser (Bandura)


Provozierenden Situationen?

Wann ist für den Teilnehmer Gewalt zwingend notwendig? 

Alkohol/ Drogen als Verstärker?

Infragestellen zwingender Notwendigkeiten. 

frühzeitiges Erkennen gewaltaffiner Entwicklungen Rückzug/ Schlichtung als Handlungsalternative.

Selbstbild zwischen Ideal- und Realselbst (Joffe/Sandler)



Ideal als hart, unbeugsam, „cool“ und gnadenlos

Reales Selbst leicht kränkbar, wenig selbstbewusst und als Versager abgestempelt.

Widerlegung der Hypothese der Teilnehmer „Härte macht unangreifbar“

Akzeptanz kränkbarer Persönlichkeitsanteile

Neutralisierungstechniken

(Sykes/Matza)


Auseinandersetzung mit Tat

Analyse Rechtfertigungen

Legendenbildung

Konfrontation der Neutralisierungen 

Folgen für das Opfer

Wecken von Schuld- und Schamgefühl

Übernahme der Verantwortung 

Veränderung des Selbstbildes

Opferkommunikation (Rossner/Kuhn)

Ängste, Behinderungen, Trauer, Schmerzen von Gewaltopfern

Fiktiver Opferbrief

Opfereinfühlungsvermögen

Mitgefühl und Betroffenheit wecken

Aggressivität als Vorteil (Bandura)

Gewalttätige Unterwerfung zur Erhöhung Selbstwerts, Anerkennung/Respekt durch eingeschüchterte Peergroup

Kosten-Nutzen-Analyse: Jede weitere Körperverletzung kann Jahre an erneuter Haft kosten

Provokationstests unter aktuellem Bezug (Farelly/Matthews)


Hierarchie irritierende kommunikative Situationen als Trigger 

Trotz Provokation gelassen Austesten eigener Grenzen im kontrollierten Umfeld

Subkultur (Polsky)

Welche Rolle verlangt welches Verhalten? Infragestellen der aggressiven Führungsrolle

Analyse von Gruppenstrukturen Steigerung der Antizipation bei Gruppenzwängen

Institutionelle Gewalt (Waldmann)


Durchleuchten der justiziellen Wege 

Subjektiv empfundene Erniedrigungen und Angriffe auf Identität 

Feedback Trainer bezüglich der Gefahr der Identitätszerstörung

Beschwerdestrategien gegen Ungerechtigkeiten statt spontane Bedrohungen von Mitarbeitern oder Sachbeschädigung

 

Forschung

Die aktuellste Evaluation des Anti-Aggressivitäts-Trainings® stammt von Prof. Dr. Wolfgang Feuerhelm, Universität Mainz 2007. Darin heißt es resümierend: Bezogen auf die Gesamtteilnehmerzahl wird nur eine Minderheit, nämlich ein Drittel der insgesamt einbezogenen Personen wieder einschlägig rückfällig. Noch positiver erscheint das Bild, wenn man auf die Rückfallzeiten abhebt: Drei Viertel der Kursteilnehmer_innen werden innerhalb des ersten Jahres nach dem Kurs nicht wieder im Gewaltbereich auffällig. Prof. Feuerhelm spricht von den reflexionsfördernden und gewalthemmenden Resultaten des AATs, die für eine weitergehende Persönlichkeitsreifung ausschlaggebend sein können. (http://www.konfrontative-paedagogik.de/forschung/aat-forschung-kompakt; Stand 31.03.2019)


Rechtsgrundlage

Das AAT® findet seine Legitimation durch verschiedene rechtliche Anwendungsbereiche:

  • Hilfe zur Erziehung gem. § 27 SGB VIII, 
  • Soziale Gruppenarbeit (§ 29 SGB VIII), 
  • Einzelbetreuung (§ 35 SGB VIII), 
  • Stationäre Unterbringung (§ 34 SGB VIII),
  • Erziehung in einer Tagesgruppe (§ 32 SGB VIII),
  • Weisung nach § 10 Abs. 1 Satz 3 Nr. 6 JGG als isolierte Erziehungsmaßregel, 
  • Bewährungsweisung in Form eines sozialen Trainingskurses im Rahmen der Jugendhilfe gem. §§ 27, 29 SGB VIII,
  • soziales Training § 7 Abs. 2 Nr. 6 StVollzG als besondere Hilfs- und Behandlungsmaßnahme,
  • Weisung im Rahmen eines Gerichtsverfahrens (§ 10 JGG Abs. 1),
  • Einstellung eines Gerichtsverfahrens (§§45, 47 JGG),
  • Nachbetreuung (Hilfe für junge Erwachsene §41 SGB VIII),
  • Urteil mit Bewährungsbeschluss und Weisung §56c StGB


Daten und Fakten zum Anti-Aggressivitäts-Training® in der Beratungsstelle Zweite Chance 

Sollte die Bedingungen für ein Anti-Aggressivtäts-Training nicht erfüllt sein, so schauen Sie sich bitte unsere Anti-Gewalt-Training an.

Es besteht die Möglichkeit Blockseminare am Wochenende zu absolvieren, um die Dauer des Trainings, bei gleichbleibender inhaltlicher Qualität und Umfang zu komprimieren.

Dauer

Dauer des gesamten Trainings: 5-6 Monate

Dauer einer Sitzung: Mehrstündig (abhängig von der Gruppengröße)

Kosten 

Die Kosten belaufen sich auf 95,00 € pro Teilnehmer_in und Sitzung. 

In den Kosten enthalten sind sämtliche für den Teilnehmer_in anfallende Leistungen - wie beispielsweise die Kosten der beiden Trainer, Anfertigung von Berichten, Elterngespräche, interne Fallbesprechungen, Vor- und Nachbereitung der Sitzungen, Teilnahme an Klassenkonferenzen/Hilfeplangesprächen.

Terminintervall

Die Sitzungen finden im wöchentlichen Turnus statt

Gruppengröße

8-12 Teilnehmer - Bei Bedarf werden Gruppen speziell für weibliche Teilnehmerin angeboten

Gründe für die Teilnahme 

  • Verfestigtes Gewaltverhalten
  • strafrechtlich durch wiederholte Gewalt- oder Körperverletzungsdelikten auffällig geworden 
  • Vermeidung von Stadionverbot 

Ausschluss

  • Sexualstraftäter_innen
  • Mitglieder organisierter Kriminalität
  • psychisch Kranke
  • akut Suchtmittelabhängige
  • Stalker_innen
  • Amokläufer_innen
  • häusliche Gewalt/Beziehungsgewalt 
  • Intelligenzgeminderte 

Alter

Ab dem 15. Lebensjahr

Kostenübernahme

In einigen Fällen können die Kosten beispielsweise durch das Jugendamt oder den ambulanten Justizsozialdienst übernommen werden. Gerne unterstütze ich Sie bei Fragen zur der Möglichkeit einer Kostenübernahme und helfe Ihnen bei der entsprechenden Beantragung.