"Betrachte jede Krise als Chance zur Veränderung"

 



 Anti-Gewalt-Training in der Beratungsstelle Zweite Chance 

Wirksame und effektive Hilfe in Bremen bei Problemen, aggressives Verhalten zu kontrollieren 


„Den Menschen respektieren und verstehen - aber seine kriminellen Handlungen ablehnen. Den Täter hin zu einem gewaltfreien Leben führen, denn Täterarbeit ist wichtiger und wirksamer Opferschutz.“ - André Hußmann (Leitung Beratungsstelle Zweite Chance)


Die Medien berichten immer häufiger von brutalen Gewalttaten - es scheint so als würde die Gewaltbereitschaft unserer Gesellschaft immer weiter steigen. Im Jahr 2017 wurden laut polizeilicher Kriminalstatistik 558.506 Fälle von Körperverletzung registriert (vgl. PKS, Bundeskriminalamt, Berichtjahr 2017). Doch warum ist das so und was kann gegen oder besser für die Täter getan werden? Die Beratungsstelle Zweite Chance bietet ein Anti-Gewalt-Training, welches das Ziel verfolgt, den Teilnehmer_innen dabei zu helfen das eigene Verhalten zu kontrollieren, Provokationen zu bewältigen und Konflikte gewaltfrei zu lösen. Die Teilnehmer_innen sollen dahingend bestärkt werden, dass sie Verantwortung für ihr Verhalten übernehmen und für sich neue Handlungsalternativen erarbeiten


Gewalt ist kein geschlechtsspezifisches Merkmal

Das Anti-Gewalt-Training richtet sich nicht ausschießlich an männliche Gewalttäter. Auch wenn von Mädchen und Frauen ausgeübte Gewalttaten nicht so sehr im gesellschaftlichen Fokus stehen, so ist dieses Phänomen doch existent. Im Jahr 2017 registrierte das Bundeskriminalamt 558.508 Fälle von Körperverletzung. 19% der Tatverdächtigen waren Frauen (vgl. PKS, Bundeskriminalamt, Berichtjahr 2017). Dementsprechend benötigen auch Mädchen und Frauen Hilfe bei der Aggressionsbewältigung.


Gründe für gewalttätiges Verhalten

Die Gründe, weshalb ein Mensch aggressives Verhalten zeigt, sind vielfältig und von außen meist nicht klar erkennbar. Forschungen ergaben, dass sich "Aggression sowohl durch Frustration als auch durch Provokation auslösen lässt" (Ute Habel, Universitätsklinikum Aachen). Bei der Ausübung von Gewalt werden Gefühle, wie beispielsweise Empathie, weitesgehend unterdrückt. Dies trägt zur Erkärung bei, warum Gewalttäter oftmals noch auf ihre Opfer einschlagen oder eintreten, obwohl diese bereits am Boden liegen und wehrlos sind. Darüberhinaus hat Herr Mathiak von dem Universitätsklinikum Aachen im Rahmen von Gehirnforschungen herausgefunden, dass Erfolgserlebnisse, welche mit Gewalt zusammenhängen, anders im Gehirn gespeichert werden als Erfolge, welche ohne Anwendung von Gewalt entstanden sind. Sprich: Der Mensch lernt, wann Gewalt zum Erfolg führt und wann diese Strategie nicht erfolgreich ist. Gewalt ist demenstrechend als eine "Erfolgsstrategie" zu sehen. Dabei handelt es sich nicht um eine angeborene Eigenschaft, sondern um einen Entwicklungsprozess.

Kinder und Heranwachsende, die Gewalt als erfolgreiche Strategie zu Erreichung persönlicher Ziele erleben, sehen keine Notwenigkeit darin, ihr Verhalten zu verändern. Das familiäre Umfeld ist für diesen Prozess sehr entscheidend: Kinder, die durch ihre Eltern und/oder ihren sozialen Nahbereich Gewalt als Lösungsstrategie kennengelernt haben, verfügen häufig über keine oder nur wenige Handlungsalternativen. Darüberhinaus können bestimmte kulturelle Werte und Einstellungen, wie beispielsweise das Verteidigen der Familienehre, einen Einfluss auf die Gewaltbereitschaft haben. Auch kann geringes Selbstwertgefühl ein Grund für die Anwendung von Gewalt darstellen - wie eine "Selbstbewusstseinstankstelle" können Gewaltäter_innen ihr schwach ausgeprägtes Selbstbewusstsein schnell und einfach wieder aufbessern. Ein weiterer Auslöser für aggressives Verhalten kann das Gefühl der Unterlegenheit sein - Gewalt dient dazu dieses Gefühl zu kompensieren.


Ablauf und Inhalte des Anti-Gewalt-Trainings

Bei dem Anti-Gewalt-Training in der Beratungsstelle Zweite Chance handelt es sich um eine deliktspezifische, konfrontativ-pädagogische Maßnahme für gewalttätige und aggressive Menschen. 

Das Training umfasst sowohl Einzel- wie auch Gruppensettings für Kinder, welche das 12. Lebensjahr vollendet haben, Jugendliche und Erwachsene aller Geschlechter. Im Einzelfall können auch Kinder in das Training aufgenommen werden, welche das 12. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Ebenso können Menschen mit kognitiver Beeinträchtigungen das Anti-Gewalt-Training  wahrnehmen. Vor dem Beginn des Anti-Gewalt-Trainings steht ein Aufnahmegespräch. Dabei soll die Eigung des Klienten/der Klientin für die Teilnahme an dem Training ermittelt werden. Ebenso wird die Motivation des Klienten/der Klientin für das Trainng eruiert. Diese ist zunächst meist extrinsich. Die Erfahrung bisheriger Trainings zeigt, dass sich extrinsische Motivation häufig zu intrinsischer entwickelt - insbesondere wenn Teilnehmer_innen persönliche Fortschritte erkennen. Nach dem Aufnahmegespräch werden 25 Einheiten durchgeführt. Diese finden wöchentlich statt und umfassen im Einzelkontext 60 Minuten. Im Gruppenkontext variiert die Dauer je nach Gruppengröße zwischen zwei und drei Stunden. Zusätzlich zu den Gruppenterminen gibt es optional Einzelgespräche mit einzelnen Gruppenteilnehmern.

Bei den Trainingsinhalten finden die indiviuduellen Bedürfnisse der Teilnehmer_innen Berücksichtigung. Als übergeordnetes Ziel des Anti-Gewalt-Trainings in der Beratungsstelle Zweite Chance steht allerdings die Befähigung der Teilnehmer_innen, eigenes Verhalten zu kontrollieren, Provokationen zu bewältigen und Konflikte gewaltfrei zu lösen. Hierzu dienen folgende Themenblöcke als Eckpfeiler:

 

Analyse der Aggressivitätsauslöser
Provokationstests
Analyse von Ideal- und Realselbst
Neutralisierungstechniken
Opferkommunikation
Aggressivität als Vorteil
Subkulturanalyse
Fragen zur strukturellen Gewalt, die die Aggressivität bei Teilnehmer_innen födert
Entwicklung von Handlungsalternativen 


Rechtliche Grundlage

Die Teilnahme an dem Anti-Gewalt-Training kann freiwillig oder als gerichtliche Auflage erfolgen, z.B. als Weisung im Rahmen eines Gerichtsverfahrens (§ 10 JGG Abs. 1) oder als Einstellung eines Gerichtsverfahrens (§§45, 47 JGG).

Zudem kann das Jugendamt das Anti-Gewalt-Training als Nachbetreuung (Hilfe für junge Erwachsene §41 SGB VIII) anordnen.


Daten und Fakten zum Anti-Gewalt-Training in der Beratungsstelle Zweite Chance

Dauer

6 Monate mit 25 Sitzungen 

Einzelkontext: Sitzung à 1 Stunde in der Woche  

Gruppenkontext: Sitzung á 2-3 Stunden in der Woche

Kosten

80€ pro Stunde (60 min.)

Terminintervall

Eine Sitzung pro Woche

Bei Bedarf: Einzelgespräche mit Teilnehmer_innen aus dem Gruppensetting 

Gründe für die Teilnahme 

  • verbale- und/oder körperliche Gewalttätigkeit
  • Probleme, das eigene Verhalten zu kontrollieren 
  • Probleme, Provokationen zu bewältigen
  • fehlende Fähigkeit, Konflikte gewaltfrei zu lösen
  • vermehrte Anzeigen/Verurteilungen wegen gefährlicher/ schwerer Körperverletzungen oder Tötungsdelikten

Alter

Der Teilnehmer muss mindestes das 12. Lebensjahr vollendet haben (Im Einzelfall werden auch jüngere Teilnehmer zugelassen). Auch Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung können das Training wahrnehmen. 

Kostenübernahme

In einigen Fällen können die Kosten beispielsweise durch das Jugendamt oder den ambulanten Justizsozialdienst übernommen werden. Gerne unterstütze ich Sie bei Fragen zur der Möglichkeit einer Kostenübernahme und helfe Ihnen bei der entsprechenden Beantragung.